Herausforderungen an das Controlling in mittelständischen Familienunternehmen

Während in börsennotierten Konzernen schon seit vielen Jahren eine controlling-orientierte Steuerung des Geschäfts zu einem Grundprinzip der Führung erhoben wurde, die in der Regel die gesamte Organisation durchdringt, wird dieses Thema in Familienunternehmen teilweise immer noch stiefmütterlich behandelt.

So ergab etwa eine Studie einer renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, dass nur 55% der Unternehmen in der Umsatzklasse bis 60 Mio. € und lediglich 13% der Unternehmen unterhalb eines Jahresumsatzes von 6 Mio. € über ein gut funktionierendes Management-Informations-System (MIS) verfügen.

Welche Ursachen könnten diesem Phänomen zugrunde liegen?

Unternehmer kleiner noch wachsender Organisationen kommen häufig zu dem Schluss, dass man sich ein implementiertes Controlling, etwa in Form eines Mitarbeiters, der dafür abgestellt ist, oder ein aufwendiges EDV-gestütztes System noch nicht leisten kann. In der Regel kümmert sich der Gründer selbst fallweise um die Beschaffung und Auswertung der relevanten Informationen, etwa wenn es um die Anschaffung einer größeren Investition, die Einstellung eines neuen Mitarbeiters oder die Nachkalkulation eines Angebotspreises geht. Häufig wird dabei auch auf die sicherlich hilfreiche Auswertung zurückgegriffen, die der Unternehmer von seinem Steuerberater erhält.

Controlling in seiner weitesten Form wird von erfolgreichen Unternehmern in der Gründungsphase daher zu Recht als (eine manchmal lästige aber) wichtige Aufgabe wahrgenommen, um die sich der Unternehmer ausschließlich selbst kümmert. Diese pragmatische Vorgehensweise mag für kleine Unternehmen aus verschiedenen Gründen die richtige sein: Der Unternehmer informiert sich aktiv über alle Belange selbst und kann es sich aus Kostengründen auch noch gar nicht leisten, sich durch andere im Unternehmen informieren zu lassen.

Was aber, wenn das Unternehmen dynamisch wächst oder bereits eine gewisse Größe, z.B. einen deutlich zweistelligen Millionenumsatz erreicht hat? Ist dann diese Vorgehensweise noch adäquat? Kann der Unternehmer, der Kapitän, dann immer noch auch gleichzeitig Steuermann und Lotse sein? Wie Sie sicher beipflichten werden, kann die Antwort nur „nein“ lauten. Ab einer bestimmten Unternehmensgröße ist es unerlässlich, ein zuverlässiges MIS-System aufzubauen, aus dem man regelmäßig die entscheidenden Steuerungsgrößen abrufen kann. Anderenfalls wird der Unternehmer mit Aufgaben überfrachtet, die er besser delegieren würde, oder schlimmer noch: Controlling wird nur sporadisch durchgeführt und damit lückenhaft. Wer kennt Ihn nicht, den legendären Gründungsunternehmer, der sich um jedes noch so kleines Detail selbst kümmert und dabei Gefahr läuft, die Gesamtperspektive aus den Augen zu verlieren?

Damit dies in Ihrem Unternehmen nicht passiert, gilt es, ein aussagekräftiges Controlling aufzubauen und zu nutzen, dass allen Entscheidungsträgern (und nicht nur dem Unternehmer selbst) alle relevanten Informationen liefert, die diese für ihre erfolgreiche Arbeit benötigen. Selbstverständlich benötigt der Teamleiter für einen bestimmten Fertigungsbereich eine Auswertung über die Produktivität, den Ausschuss, den Reparaturaufwand, die Energiekosten, …, für seinen Verantwortungsbereich! Selbstverständlich muss der Außendienstmitarbeiter (für Vorsichtige: der Vertriebsleiter) wissen, welche Produkte welchen Deckungsbeitrag bei welchen Kunden generieren, damit er seinen Beitrag zum Unternehmenserfolg optimieren kann! Selbstverständlich benötigt der Verantwortliche für Forschung und Entwicklung regelmäßige Informationen über Aufwand und Erfolg der verschiedenen Forschungsprojekte!

Hier kommen wir zu einem Kern der Diskussion. Dieses Teilen wichtiger und erfolgsbestimmender Informationen heißt auch: Abgabe von Herrschaftswissen an Mitarbeiter, denen man vertraut und ohne deren aktive Mitwirkung die vielfältigen und anspruchsvollen Aufgaben nicht bewältigt werden können. Mit diesem Teilen von Informationen geht auch ein Stück Delegation unternehmerischer Verantwortung einher. Dies muss jedem Unternehmer klar sein, der möchte, dass seine Mitarbeiter ihren Verantwortungsbereich zum Nutzen des Gesamtunternehmens optimieren. Wie weit zugelassen wird, dieses System möglichst weit „nach unten“ zu öffnen, wird von unternehmensspezifischen Faktoren ebenso abhängen, wie von der Beantwortung der Frage, wie weit eine bestehende Vertrauenskultur bereits belastet werden kann.

Dass Sie als Unternehmer unabhängig von dieser Delegation regelmäßig ein „Unternehmens-Cockpit“ erhalten, das Ihnen einen schnellen Überblick über die Kennzahlen aller wichtigen Unternehmensbereiche liefert, um auch weiterhin „Herr im Ring“ zu bleiben, sollte dabei eine Selbstverständlichkeit sein. Ein solchermaßen stufenweise aufgebautes Controlling, das jedem im Unternehmen die Informationen liefert, die er oder sie für die bestmögliche Bewältigung seiner Aufgaben benötigt, macht aus Mitarbeitern „Komplizen“ Ihrer Sache und verschafft Ihnen die unternehmerischen Freiräume, die Sie für die perspektivische Ausrichtung Ihres Unternehmens benötigen.

Wenn wir Ihr Interesse an dieser Thematik geweckt haben, freuen wir uns auf einen regen Austausch mit Ihnen!

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2018-04-19T15:12:49+00:00