Systemaufstellungen für Familienunternehmen

…die komplexe Verstrickung verschiedener Systeme entwirren…

Das Familienunternehmen zeichnet sich durch die Verstrickung von drei Systemen aus: die Familie – das Unternehmen – das Vermögen. Jedes dieser drei Systeme wird von einer Reihe unterschiedlicher Werte beeinflusst und geleitet. In der Familie dominiert (im Guten und im Schlechten) das Band der Liebe, das Unternehmen basiert auf Kompetenz und Engagement und das Vermögen ist stark an das Konzept der Gerechtigkeit gebunden. Natürlich manifestieren sich diese Werte in jedem Einzelfall in vielfacher und unterschiedlicher Weise.

Selten unterscheiden die Mitglieder einer Unternehmerfamilie bewusst diese drei Bereiche. Gerade in Zeiten der Krise und bei starkem emotionalen Engagement ist die Gefahr von Missverstädndnissen und Verwechslungen hoch. Das birgt ein hohes Risiko für das „Erfolgsmodell“ Familienunternehmen. Die Inszenierung einer Systemaufstellung, auch Management Constellation genannt, kann einen wichtigen Beitrag leisten, um die Risiken zu begrenzen und die Chancen zur Geltung zu bringen. Familienmitglieder sind nämlich zu einem Maß an gegenseitigem Vertrauen und Unterstützung, Einsatz und Risikobereitschaft, sowie zu langfristigen Denken fähig, wie sie in einer anderen Unternehmensform nur selten vorkommen.

Wie läuft eine Systemaufstellung ab? Zuerst klärt man mit den Beteiligten die Frage, um die es geht und das zu erreichende Wunschziel. Dann kommt es zum heikelsten Schritt, der Wahl der Elemente für die Aufstellung. Eine bewährte Vorgehensweise ist, die Akteure in den drei Systemen in Beziehung zueinander zu setzen und die wichtigsten Werte, die ihr Verhalten in der kritischen Situation steuern, dazu zu stellen.

Systemaufstellung in der Praxis

Wir wollen Ihnen die Vorgehensweise an Hand eines konkreten Falles aus der Praxis erläutern:

Das Thema: Die Gründerin eines Handelsunternehmens führt den Betrieb zusammen mit ihren beiden Söhnen. Es  kommt häufig zu Konflikten und es mangelt an positiver Zusammenarbeit.

Frage / Ziel: Wie können wir zu mehr Ruhe und produktiver Kooperation finden?

Fall

Die beiden Systeme wurden getrennt nacheinander dargestellt. Zuerst das Unternehmen, anschließend das Familiensystem.  In diesem spezifischen Fall haben wir auf die Darstellung des Systems der Eigentümer des Familienvermögens verzichten, da sich alle einig waren, dass dieses gut geregelt war.
Die folgende Abbildungen zeigen den Verlauf der beiden Systemaufstellungen.

Die Beziehungen im Unternehmen:

Beziehungen im Unternehmen - Ausgangssituation

Die Mutter und Gründerin wäre noch an der Entwicklung des Unternehmens interessiert, fühlt sich damit aber alleine gelassen.

Der ältere Sohn fühlt sich von der Präsenz der Mutter erdrückt und empfindet dem Bruder gegenüber eine Mischung aus Neid und Vorwurf. Stabilität ist für ihn eine wesentliche Stütze im Rücken.

Der jüngere Sohn fühlt sich weit entfernt, und weiß nicht recht, ob er ausgeschlossen wird oder aus freier Entscheidung so weit weg von den anderen steht.

 

Im Laufe der Aufstellung hat sich die folgende Konstellation ergeben:

Neue Beziehungen im Unternehmen

Die Mutter zieht sich zurück und meint: „Vielleicht finde ich andere Dinge, die ich in meinem Leben noch auf die Beine stellen kann.“

Dies erlaubt dem jüngeren Sohn sich dem älteren zu nähern und im Unternehmen eine wichtigere Position einzunehmen.

Die Stabilität (jetzt an seiner Seite) wird für den Älteren zum Wert und ist nicht mehr eine Obsession.
Die Brüder können jetzt mit einem gewissen Abstand kommunizieren.

 

Die Beziehungen im Familiensystem:

Beziehungen im Familiensystem - Ausgangssituation

 

Der ältere Sohn entfernt sich von der Familie, um die übertriebene Bindung im Unternehmen auszugleichen.

Die Mutter fühlt sich machtlos gegenüber dem Wunsch, die Familie zusammenzuhalten.

Der jüngere Sohn empfindet die eigenen Kinder als starke Motivation, um den familiären Zusammenhalt anzustreben.
Er fühlt sich jedoch nicht in der Lage, den Bruder hereineinzuholen.

 

Im Laufe der Aufstellung hat sich folgende Konstellation ergeben:

Die neue Konstellation

Die Mutter erkennt, dass sie den Mittelpunkt freigeben muss und will sich, zusammen mit ihrem Mann, um den familiären Zusammenhalt kümmern.

Als Reaktion fühlt der ältere Sohn den Impuls, sich umzudrehen und in Richtung Familie zu schauen.

Erkenntnisse

Die Systemaufstellung war für die Familienmitglieder, welche selbst als Stellverteter die verschiedenen Personen und Werte verkörperten, ein sehr aufschlussreiches Erlebnis. Bei der anschließenden Reflexion, haben sie mit Unterstützung des Beraters einige interessante Mechanismen erkannt:

  • Die beiden Brüder verfolgen unterschiedliche Strategien, um Autonomie und Zusammenhalt in Einklang zu bringen: der Ältere sucht die Nähe im Unternehmen und sucht im Privaten den Abstand von der Familie, während der zweite Sohn nach Unabhängigkeit im Betrieb strebt und in der Familie die Nähe sucht.
  • Die zentrale Position der Mutter verhindert in beiden Systemen, dass die Söhne ihren Platz einnehmen und friedlich miteinander kommunizieren können.

Diese Erkenntnisse werden im Laufe des Workshops verarbeitet, um konkrete Maßnahmen zu beschließen. Die Außensicht des Beraters ist wesentlich, da die Familienmitglieder sonst leicht wieder in ihre gewohnten Muster zurückfallen.

Ergebnisse

Im konkreten Fall wurde folgendes vereinbart:

  • Die Brüder treffen sich wöchentlich, ohne die Mutter, um den Verlauf des Unternehmens zu besprechen.
  • Es wurde eine schriftliche Vereinbarung unterzeichnet, worin die Verantwortungen genau aufgeteilt sind und es wurde eine Liste der Entscheidungen erstellt, welche einvernehmlich beschlossen werden müssen.
  • Es wurde beschlossen, eine Familienverfassung zu erarbeiten.
  • Die Mutter hat beschlossen, ihre Anwesenheit im Unternehmen um 1/3 zu reduzieren und sich einer eigenen Aktivität im Volontariat zu widmen.
  • In einer monatlichen Team-Coaching-Sitzung werden die in der Zwischenzeit aufgetauchten Themen und Konflikte bearbeitet. Dies verhindert, dass Probleme an Momentum gewinnen und sich zu handfesten Konflikten entiwckeln.

Ein Jahr danach…

Zirka ein Jahr nach der Systemaufstellung hat sich die Lage deutlich verbessert. Die Mutter und Gründerin meinte:” Ich hätte mir nie vorgestellt, dass ich so leicht die Kontrolle des Unternehmens loslassen und neue Interessen finden könnte. Ich bin nicht immer mit den Entscheidungen meiner Söhne einverstanden, aber es kostet mich nicht viel, sie einfach machen zu lassen. Es gefällt mir sehr, dass auch mein jüngerer Sohn nun mehr Interesse für das Gesamtunternehmen zeigt und nicht nur für die Filiale, für die er direkt verantwortlich ist. Die Brüder haben gelernt, sich in einer konstruktiven Weise auseinanderzusetzen ohne bei der ersten Meinungsverschiedenheit mit Groll dem anderen den Rücken zu kehren. Wir haben Glück, dass das Unternehmen derzeit sehr gut läuft, ich bin mir aber auch sicher, dass wir jetzt auch schwierigere Angelegenheiten angehen und meistern könnten. Und ich könnte mich, so denke ich zumindest, mit meinen Ratschlägen zurückhalten und diese nur einbringen wenn sie auch erwünscht sind. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, bisher haben wir noch nicht alle heißen Themen besprochen, die in der Familienverfassung geregelt werden sollen.”

Fazit aus Beratersicht

Dies war nur eines von vielen Beispielen, in dem eine Systemaufstellung einen entscheidenden Beitrag zur Lösung einer vertrackten Situation gebracht hat. Unbewusste Verhaltensmuster und starke Emotionen spielen in Familienunternehmen oft eine große Rolle und können in „normalen“ Gesprächen nur mit großer Mühe erkannt und geklärt werden. Mit Hilfe einer Management Constellation kann ein erfahrener Berater die Dinge mit verblüffender Klarheit und in kürzester Zeit auf den Punkt bringen.

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By |2018-04-19T15:10:21+00:00November 27th, 2014|Familie, Firma|