Empfehlungen für Beiräte in Familienunternehmen

Beirat in Familienunternehmen gibt Stabilität

Die Praxis zeigt, dass ein professioneller Beirat in allen Lebensphasen eines Familienunternehmens einen wertvollen Beitrag leisten kann. Mir sind zwar keine Studienergebnisse bekannt, welche die Entwicklung von Familienunternehmen mit und ohne Beirat vergleichen. In den mir bekannten Fällen aus der Praxis aber wage ich zu behaupten, dass manch Familienunternehmen ohne die tatkräftige Unterstützung ihrer Beiräte heute deutlich schlechter dastehen würden.

Im guten Zusammenspiel mit Inhaberschaft und Unternehmensführung kann ein Beirat einem Familienunternehmen die notwendige Stabilität geben. Das zeigt sich dann besonders in Zeiten großer Veränderungen und bei Krisen, sowohl im Unternehmen wie in der Familie.

8 Empfehlungen für Beiräte in Familienunternehmen aus der Praxis:

  • Der Beirat sollte sich tunlichst nicht als Unternehmer verstehen. Für die Entwicklung guter Strategien und deren erfolgreiche Umsetzung ist das Management verantwortlich. Beiräte sollten sich immer im Bewusstsein halten, dass man ihnen die Sicherung eines – Teils über Generationen aufgebauten – Familienvermögens anvertraut.
  • Der Beirat ist Mittler zwischen Unternehmensführung und Inhaberschaft. So sichert er den Erhalt als Familienunternehmen. In der Praxis bewährt es sich, mit den Inhabern klare Ziele und Erwartungen zu erarbeiten, welche der Unternehmensführung als „Leitplanken“ Orientierung geben. Der Beirat beaufsichtigt deren Einhaltung.
  • An der Schnittstelle zwischen Familie & Firma kann ein Beirat, wenn angezeigt, eine „emotionale firewall“ bilden und zur Versachlichung beitragen.
  • Die Bewahrung der eigenen persönlichen Unabhängigkeit ermöglicht eine gute und professionelle Beiratsarbeit. Das Aufrechterhalten einer kritischen Distanz ist speziell dann vonnöten, wenn die Unternehmensführung (zum Teil) aus Familienmitgliedern besteht.
  • Beiräte in Familienunternehmen sollten in der Lage sein, sich auf einzelne Inhaber einzustellen, welche über wenig oder keine betriebswirtschaftliche Qualifikation verfügen. Sachverhalte sind so darzustellen, dass sie alle verstehen können.
  • Als Impulsgeber mit einem generalistischem Blick von außen setzt der Beirat notwendige Impulse, sowohl mit Blick auf das Unternehmen wie auf die Familie. Dies können strategisch/unternehmerische Themen aber auch Themen rund um die FamilyBusinessGovernance sein.
  • Beirat ist nicht Beirat… seine Rolle im Familienunternehmen verändert sich mit den Generationen:
    • in der Gründergeneration ist er vornehmlich Sparringspartner für den Unternehmer und unterstützt ihn beim Generationenwechsel in die zweite Generation. Und er ist Teil eines Notfallplanes im Falle eines unvorhergesehenen Ausfalls des Unternehmers.
    • in der zweiten Generation – der klassischen Geschwisterkonstellation – unterstützt ein Beirat die Professionalisierung sowohl auf der Führungs- wie auf der Inhaberebene. Und er moderiert bei Konflikten, welche speziell in dieser Konstellation gerne auftreten.
    • ab der dritten/vierten Generation, in der viele Familienunternehmen von „familiengeführt auf familienkontrolliert“ wechseln, unterstützt der Beirat durch seine Expertise die Aufsicht im Unternehmen und ihm kommt zunehmend auch eine Beraterrolle gegenüber einem wachsenden Gesellschafterkreis zu.
  • Ein professioneller Beirat reflektiert seine Arbeit regelmäßig und setzt sich selbst Ziele. Wichtige Fragestellungen sind u.a.
    • Welchen Beitrag kann/muss der Beirat in der Zukunft leisten, um dem Familienunternehmen Stabilität zu geben?
    • Wie definiert sich die Rolle des Beirats im Zusammenspiel mit der Inhaberschaft und der Unternehmensführung?
    • Wie kann die Zusammenarbeit im Beirat optimiert werden um dessen Wirksamkeit nachhaltig zu sichern und ggfs. zu steigern?
By |2019-01-10T09:38:30+00:00Januar 9th, 2019|Allgemein, Beirat, Führung|