Digitalisierung in Familienunternehmen- Governance als Erfolgsfaktor

Hat die deutsche Gründlichkeit ausgedient? Gehört die Zukunft nur noch den Schnellsten?

Wenn sich Familienunternehmen den Zukunftstrends stellen wollen, werden sie nicht umhinkommen sich den Marktentwicklungen zu stellen. Das Festhalten an alten und bewährten Konzepten und Erfolgsmustern wird da nicht mehr weiterhelfen.

„Der Mittelstand im Jahr 2030 wird nichts mehr mit dem im Jahr 2017 gemein haben“.

Sven Ga?bor Ja?nszky, Gru?nder und Chairman der 2b AHEAD ThinkTank GmbH in der Studie
Die Zukunft des deutschen Mittelstands – Innovationen durch Digitalisierung

Diese sehr empfehlenswerte Studie* skizziert die Zukunft des Mittelstandes mitsamt den Herausforderungen, vor denen dieser steht. Einige Auszüge davon lauten:

  • Der Druck auf Unternehmen ru?hrt vom Arbeitsmarkt her, auf dem die Arbeitskraft in zehn Jahren ein rares Gut sein wird.
  • Modernes Innovationsmanagement fördert die Zusammenarbeit u?ber Unternehmensgrenzen hinweg.
  • Treibende Kraft ist die Kundschaft, welche sta?rker als je zuvor neue Bedu?rfnisse an Anbieter artikuliert: Standard stirbt aus, individuell ist der neue Standard.
  • Der Erfolg heutiger mittelsta?ndischer Unternehmen ha?ngt maßgeblich davon ab, wie schnell und gut sie sich an die neuen Anforderungen anpassen ko?nnen; eine urspru?ngliche Kernkompetenz des Mittelstands. Das Bild des „schwa?bischen Tu?ftlers“ mit hoher Technologiekompetenz, Gründlichkeit und Zielorientierung bleibt wichtig, ist aber nicht entscheidend. Wichtiger ist es, gelernte Methoden gegebenenfalls zu verwerfen und das Unternehmen in neuer Qualita?t auf den Kunden auszurichten – mitunter ist hierzu der bewusste Bruch mit herkömmlichen Entscheidungs- und Denkregeln notwendig. Deutsche Gründlichkeit gehört möglicherweise schon heute der Vergangenheit an. Die Zukunft gehört den Schnellsten, also denen, die als erste „die beste Lösung für das Kundenproblem“ bieten.
  • Mittelsta?ndler, die ihre erfolgreiche Firmengeschichte fortführen mo?chten, mu?ssen bereits heute massive Transformationsschritte einleiten.

 

Wie eine zukunftsorientierte Governance in Familienunternehmen den digitalen Wandel unterstützen kann 

Governance als die Gesamtführung und -steuerung in Familienunternehmen sollte die Weichen stellen, um Innovation und digitalen Wandel in Familienunternehmen zu unterstützen. Gute Governance sorgt dafür, dass sich Unternehmen von innen heraus regelmäßig erneuern und nach Außen offen sind.

Eine große Chance für den digitalen Wandel bietet Familienunternehmen der Generationenwechsel. Dieser findet statt zwischen denen, die sich mehrheitlich den alten bewährten Werten, wie Gründlichkeit und Tüchtigkeit, verschrieben haben und der nachkommenden Generation, die digital aufgewachsen ist. Aber, einher mit dem Generationswechsel geht auch die Notwendigkeit eines Kulturwandels. Denn die Werte und Lebensentwürfe der nachfolgenden Generation verändern sich. So sehen z.B. viele ihre Erfüllung nicht mehr in der 60-Stunden-Woche, bei ihnen steht die gute Balance zwischen beruflichem, privaten und familiären Leben an erster Stelle. Die junge Generation will nicht Verantwortung in oder für das bewährte Unternehmen ihrer Eltern übernehmen. Die Jungen verfolgen durchaus neue Werte und Ziele mit ihrem Leben und somit auch mit ihren Unternehmen zu vereinbaren. Wer persönlich eine Lebensbalance zwischen Karriere und Familie, Partnerschaft und den privaten Interessen sucht, will, dass diese Werte auch im eigenen Unternehmen gelebt werden. Was wiederum für die Attraktivität des Unternehmens im Wettbewerb um die „Besten“ von Vorteil ist, denn auch diese teilen diese Werte.

Die Schaffung einer Vertrauenskultur soll es den „Besten“ attraktiv machen, für das Unternehmen zu arbeiten. Denn Innovation – etwas Neues wagen – bedeutet eben neue Wege zu finden und damit höhere Risiken einzugehen. Hierfür braucht es einen Vertrauensvorschuss.

Innovation und Gestaltung des digitalen Wandels stellt eine höchst unternehmerische Herausforderung dar. Familienunternehmen in der ersten Generation verfügen in der Regel über eine Unternehmerpersönlichkeit, deren Einzigartigkeit wortwörtlich zu nehmen ist. Gründerunternehmer haben Ideen und Pläne, die sie mit aller Kraft verfolgen und sie entscheiden zumeist autark und sind meist nur sich selbst gegenüber verantwortlich. In späteren Generationen dagegen, dies ist nicht nur dem Unternehmenswachstum sondern auch dem Wachstum der Unternehmerfamilie geschuldet, bestimmen Strukturen und Regelwerke die Entscheidungs-, Führungs- und Aufsichtsprozesse in Familienunternehmen. Eine der wichtigsten Entscheidung ist die Besetzung der Unternehmensführung und der Gremien. Eine gute Governance sichert, dass die bestmöglichen Unternehmerpersönlichkeiten in den verantwortlichen Positionen die Verantwortung für Familienunternehmen inne haben.

Überlegungen zur Governance-Praxis von Familienunternehmen

  • Dem Wertekodex einer Familienverfassung kommt eine weitreichende Bedeutung für den Wandel des Familienunternehmens zu. Der hier festgelegte Werterahmen fordert und fördert den Kulturwandel in Unternehmen.
  • Führungsstrukturen und -positionen sind an die Anforderungen der nächsten Generation anzupassen. Das umfasst z.B. auch die Einräumung von mehrmonatigen Auszeiten bis hin zur Ermöglichung einer Teilzeitgeschäftsführung.
  • Manchmal unterstützen festgelegte Altersgrenzen in den Statuten „als Sollbruchstelle“ den Generationenwechsel. Einer stillschweigenden Verschleppung wird Einhalt geboten.
  • Die Institutionalisierung eines offenen, regelmäßigen und intensiven Dialoges zwischen Unternehmensführung und Eigentümern hilft „Ängste und Widerstände vor Veränderungen im Vorfeld abzubauen“. So können sich alle auf die Zukunft vorbereiten. Wichtige Weichenstellungen gelingen schneller und finden breite Unterstützung.
  • Die Zukunft sollte schon bei der Kommunikation innerhalb und zwischen den Gremien eines Familienunternehmens beginnen. Unter Wahrung aller Sicherheitsanforderungen sollte die digitale Kommunikation in den Gremien Einzug halten.
  • Professionelle Auswahl- und Entscheidungsprozesse für die Besetzung der Führungspositionen im Unternehmen sichern die „Besten“ für die anstehenden Aufgaben.
  • Bei der Zusammensetzung eines Beirates könnte die Position für einen „jungen querdenkenden digital native“ geschaffen werden. Dieser kann die richtigen Fragen stellen, Impulse geben und den digitalen Wandel begleiten.

Eine erfolgreiche Zukunft von Familienunternehmen kann man nicht per se „regeln“. Gute Governance aber stellt durch geeignete Regelwerke sicher, dass die „Besten auf die richtigen Positionen gelangen“ und die Führungsprozesse innerhalb des Familienunternehmens zwischen Unternehmerfamilie und Unternehmensführung optimal aufeinander abgestimmt sind, um jederzeit die richtigen Antworten auf Markterfordernisse wie den digitalen Wandel zu finden und sie schnell, flexibel und erfolgreich im Unternehmen umzusetzen. Bewährte deutsche Gründlichkeit sollte hier durchaus ein Leitwert für die Zukunft bleiben. So steht einer erfolgreichen Transformation hin ins Jahr 2030 nichts im Wege.

* link zur Trend Studie:

www.zukunft.business/foresight/trendstudie-zukunft-des-deutschen-mittelstands/

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2018-05-03T10:31:45+00:00