Die Lust am aktiven Alter entdecken

Wer seinen Betrieb erfolgreich übergeben hat, kann sich endlich den Dingen widmen, für die bislang die Zeit fehlte… Nichtsdestotrotz ist der Begriff „Ruhestand“ für viele Senior Unternehmer eher befremdlich, denn es liegt schließlich in der Natur des Unternehmers aktiv „unternehmen“ zu wollen.

In der Tat stehen viele Unternehmen/innen bis ins hohe Alter hinein höchst aktiv im beruflichen und privaten Leben. Es soll hier auch vielmehr daran erinnert und auch dazu ermuntert werden, diese Aktivitäten in eine „neue Welt“ jenseits des Unternehmens zu verlagern.

Die Unternehmensübergabe als Chance, neue Wege zu gehen
Ein Generationswechsel ist immer ein einschneidendes Ereignis, welches mit großen Umstellungen verbunden ist. Auch wenn der ausscheidende Unternehmer noch eine Funktion als Beirat, Aufsichtsrat oder Berater im Unternehmen wahrnimmt, entbindet ihn das von der bisherigen Funktion als oberste Führungskraft: Aus aktivem „Führen“ wird aktives „Beaufsichtigen“ oder „Beraten“. Doch diese Funktion wird abseits des Tagesgeschäftes erfüllt.

Nach der Übergabe wird nun der Nachfolger die unternehmerischen Erfolge für sich verbuchen und durch die erfolgreiche Arbeit „Lust auf mehr“ bekommen, denn das erfolgreiche Durchsetzen einer Idee auf dem Markt ist der Zündstoff des unternehmerischen Feuers. Begeisterte Kunden, die mit einer neuen Innovation überrascht werden können, das Strahlen der Mitarbeiter, die an diesem Erfolg maßgeblich teilhaben – all das produziert die Lust am Unternehmertum. Daran nicht mehr teilzuhaben, heißt Verzicht üben. Für viele Senioren ein kritischer Moment, der sich anfangs als große Leere und Sinnverlust darstellt.

Das Feuer weiter tragen
Dem Sprichwort „Bruchstellen sind Fundstellen“ folgend, sollte diese neue Situation aber als Chance gesehen werden, denn dieser „Lustentzug“ kann Möglichkeiten eröffnen, in neuen Bereichen Beschäftigungen zu finden, die eine neue und vielleicht andere Art von Lust erzeugen. Senioren, die diesen Weg erfolgreich gemeistert haben betonen gern, wie sehr sie es genießen, aus der Getriebenheit des operativen Tagesgeschäftes in eine neue, selbstbestimmte Lebensform zu finden. Individuelle, neue Beschäftigungsfelder zu erschließen, die nicht unternehmerischen und ökonomischen Erfolgserwartungen unterliegen, wird zur neuen Lust, denn der Blick ist frei für veränderte Wertmaßstäbe.

Neue Wege, neue Ziele
Im Idealfall ist die Ernte eingefahren, man muss sich um existenzielle Lebensgrundlagen nicht mehr sorgen. Auch stellt die Eroberung eines vorderen Platzes im Wettbewerb um Marktanteile kein Ziel mehr dar. Und so rücken andere, nicht weniger wertvolle Herausforderungen in den Vordergrund.

Viele Unternehmer nehmen eine Mentoren Rolle ein für jüngere Unternehmer oder auch Ihren Nachfolger. Denn gerade beim Generationenwechsel werden sie gebraucht: die Senioren, mit all ihrer Erfahrung und ihrem Wissen. Es ist ihre Authentizität, Unbestechlichkeit, Erfahrung und Fähigkeit zur Integration, die dem hier drohenden Zerfall ins „Stammesdenken“ einzelner Inhaberfamilien entgegen wirken kann. Gleiches kann aber auch in anderen Organisationen, wie Verbänden, Stiftungen, Vereinen oder auch der Politik erforderlich sein.

In vielen Kulturen wird der Beitrag der „Stammesältesten“ in hohem Maße geachtet und geehrt. Vielleicht ist es ein Mangel unserer Zeit, dass wir nur ungenügend Platz und wenige ergiebige Rollen für ausscheidende Unternehmer haben. Oder vielleicht müssen sie selbst ein neues Rollenbewusstsein einfordern. Denn Lust macht, wovon man gerne mehr haben will. Neue Perspektiven erschließen sich nicht über Nacht und es reicht nicht aus, erst dann nach Antworten zu suchen, wenn schon sehr bald nicht mehr zu haben ist, was das Herz des Unternehmers höher schlagen lässt.

Unternehmerisches Denken und Handeln ist also auch dann gefordert, wenn der baldige Ausstieg bevorsteht. Geleitet von den unternehmerischen Grundfragen, wofür ich persönlich stehe, welchen persönlichen und gesellschaftlichen Beitrag ich zukünftig leisten möchte und wie ich das umsetzen kann, wird Lust zum immateriellen Return on Investment – zum Gewinn aus einem aktiven Leben, auch jenseits des Unternehmens.

By |2018-04-17T11:07:00+00:00Oktober 16th, 2015|Nachfolge|