Wenn old economy auf new economy trifft…

TONI C. PLONNER

Seit letztem Jahr beschäftigen wir uns verstärkt mit dem spannenden Thema, das Wachstum mittelständischer Familienunternehmen durch die Beteiligung an bzw. die Übernahme von jungen Startup Unternehmen zu unterstützen. In dieser kurzen Praxiseinsicht möchte ich ein paar Gedanken zur Begegnung zwischen  „old economy and new economy“ aufzeigen.

Vorweg möchte ich anmerken, dass diese Projekte auch für uns als Family Business Consultants eine interessante Erfahrung darstellen. Mehrfach habe ich mir mit Blick auf Familienunternehmen in der x-ten Generation die Frage gestellt, worin sich wohl der ursprüngliche Gründerspirit dieser Unternehmen von dem der heutigen Startup Unternehmer unterscheidet. Sind es nur die äußeren Umstände wie gesellschaftliche, wirtschaftliche und technologische o.a. Rahmenbedingungen, welche sich verändert haben? Oder hat sich schlichtweg Unternehmertum verändert? Hierzu am Ende meines Beitrages mehr.

Zunächst möchte ich auf einige wichtige Herausforderungen eingehen, welche bei der strategischen Beteiligung von Familienunternehmen an Startup Unternehmen zu meistern sind.

 

Wertermittlung eines Startups

Eine entscheidende Frage lautet: wie bewertet man ein Startup  Unternehmen? Was ist der angemessene Kaufpreis für eine junge Firma, die bisher noch kein Geld verdient hat? Der geschäftsführende Gesellschafter eines  Familienunternehmens fragte mich kürzlich, wie er wohl seinen Mitgesellschaftern eine Übernahme eines „Verlustunternehmens“ zu einem zweistelligen Millionenbetrag „verkaufen“ solle.

Grundsätzlich sollten sich Familienunternehmen aus meiner Sicht nur an solchen Startup  beteiligen, deren Markt und Geschäft sie wirklich verstehen. Es sei denn, sie treten selbst als Venture Capitalist auf. Bei der Wertermittlung können Risikoaufschläge, welche Finanzinvestoren bei der Bewertung vornehmen, ein Indikator sein.

 

Dealstruktur

Grundsätzlich unterscheidet sich die Entwicklung einer Dealstruktur von den Transaktionen, wie sie Familienunternehmen üblicherweise kennen. Typische Startup Unternehmen erscheinen aufgrund ihrer Vielzahl an Gesellschaftern zunächst komplexer. Neben den Gründern und Mitarbeitern sind Business Angels sowie diverse Finanzinvestoren beteiligt. Oft haben diese unterschiedliche Interessen, welche vom Erwerber zunächst zu erkunden sind.

Die Unterschiede der beiden Welten „old und new economy“ drücken sich auch in der Sprache aus.  Begrifflichkeiten wie „cap table“, „vesting“, „phantom shares“, „anti dilution“ usw. müssen erläutert werden. Ich empfehle dringend, sich die Expertise von Juristen mit spezifischen Erfahrungen in diesen Themen hinzuzuholen.

 

Integration

Eine weitere Frage ist, wenn es denn soweit kommt… die der Integration des Startup Unternehmens. Wie können optimale Synergien erzielt werden bei gleichzeitigem Erhalt der jungen Firmenkultur?

Bei einem gemeinsamen Besuch eines Startup Unternehmens mit einem Kunden konnten wir sehr authentisch den „Team Spirit“ erleben, welcher diese Firmen auszeichnet. In einem Loft standen auf engem Raum Computerarbeitsplätze in langen Reihen. Es machte alles eher einen provisorischen Eindruck… die Anmutung war die einer „großen Business WG“. Es schien uns unvorstellbar, diese Teams  mit der gewachsenen Organisation eines Familienunternehmens in vierter Generation zusammenzuführen. Der Kunde erzählte mir zu einem späteren Zeitpunkt, dass er sich nach längerer Prüfung entschieden habe, das Unternehmen am ursprünglichen Standort zu belassen. Er wird den Spagat zwischen Integration auf Produktebene vs. Erhalt einer eigenständigen Unternehmenskultur und –organisation wagen.

 

Gründerspirit damals und heute

Zurück zu meiner Eingangsfrage. Lässt sich der Gründerunternehmer eines Familienunternehmens in x-ter Generationen vergleichen mit dem Startup Unternehmer von heute? Meine Erfahrung ist, trotz aller wirtschaftlichen, finanziellen, organisatorischen und kulturellen Unterschiedlichkeiten kann eine gemeinsame unternehmerische Begeisterung und Leidenschaft die Brücke bilden. Als in einem Verhandlungsprozess die Gespräche fast am Scheitern waren, da man wegen der vielen Hürden keinen Weg mehr zueinander sah, waren es die gemeinsamen Diskussionen über Kunden, Produkte und Märkte, bei denen die die Jung- und Altunternehmer wieder zusammenfanden. Die Entwicklung gemeinsamer, unternehmerischer Wachstumspläne sorgte für das notwendige Verständnis und Vertrauen zueinander. Die „Sprache und Leidenschaft“ der Unternehmer scheint zeitlos zu sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2017-08-03T11:10:22+00:00