Verantwortung schafft Vertrauen

Familienunternehmern, denen es gelingt, eine tiefgreifende Verantwortungskultur zu entwickeln und diese generationsübergreifend zu erhalten, sind aus meiner Erfahrung erfolgreicher und gegenüber Krisen besser gewappnet.

Im harten globalen Wettbewerb entscheidet am Schluss nicht immer der beste Preis, sondern langfristig zählen Werte wie Vertrauen in eine mittel- und langfristige Geschäfts- oder Kundenbeziehung, auf die „…man sich verlassen kann!“. Unternehmerfamilien und Familienunternehmer stehen nicht nur mit ihrem Vermögen für die Leistungen ihres Unternehmens gerade. Es geht auch um ihren persönlichen Ruf. Die Aussage eines bekannten Lebensmittelherstellers „dafür stehe ich mit meinem Namen“, ist hierfür ein gutes Beispiel. Dieses persönliche Commitment schafft einen starken Markenwert, fördert das Vertrauen der Käufer in die Produkte des Unternehmens auch und gerade dann, wenn mal etwas passiert.

In einer Zeit, in der Produkte und Dienstleitungen zunehmend „herrenlose und anonyme Ware“ sind, in der Produkte von irgendwem, irgendwo auf der Welt produziert werden, sich Organisationen hinter Call Centern verstecken und es sich nicht einmal mehr im tagtäglichen Leben nachvollziehen lässt, mit wem man es eigentlich gerade bei seinem Telefonanbieter oder seiner Bank zu tun hat, bietet sich Familienunternehmen eine große Chance.

Aus meiner Erfahrung kann das aber nur gelingen, wenn diese Verantwortungskultur im Unternehmen beginnend von den Eigentümern vorgelebt wird. Und das ist nicht immer selbstverständlich. Derzeit übernehmen viele „Erben“ einen Anteil an einem Familienunternehmen, ohne selbst über eine unternehmerische Ausbildung zu verfügen. Sie selbst arbeiten in anderen Berufen und kennen das Unternehmen eigentlich nur von außen. Aber, auch wenn sie die Führung ihres Unternehmens an ein Fremdmanagement delegieren, so verbleibt bei ihnen immer „die Letztverantwortung“. Führungskräfte und Mitarbeiter in Familienunternehmen haben sehr wohl ein Gespür dafür, wie die Eigentümer mit ihrer Gesamtverantwortung umgehen, ob sie diese vorleben. Wenn ein großes namhaftes deutsches Familienunternehmen, wie unlängst geschehen, die entnommen Gewinne in der Krise reinvestiert um Arbeitsplätze zu erhalten und nicht abzubauen, dann ist dies gelebte Verantwortung und gelebtes Vorbild und ein Zeichen für „die Zuversicht und den Glauben an die Zukunft des Unternehmens“. Eine solche Maßnahme prägt die Unternehmenskultur auch nach außen über Jahrzehnte. Beeindruckend ist für mich immer, wenn Unternehmer offen für Fehler einstehen… kein Totschweigen, keine Schuldzuweisungen an Dritte, kein Verstecken hinter Pressesprechern oder Anwälten, kein „Herausreden“ usw. (… in den tagtäglichen Medien kennen wir leider viele andere Fälle).

Verantwortungskultur in Familienunternehmen zu entwickeln, beginnt aus meiner Erfahrung in der Unternehmerfamilie selbst. Deshalb bekommt auch die Begleitung von Unternehmerfamilien bei der Erarbeitung einer Familienverfassung einen immer größeren Stellenwert in unserer Arbeit.
Alleine die Tatsache, dass eine Unternehmerfamilie ein solches Projekt „Familienverfassung“ startet, schafft das Bewusstsein, dass man eben nicht nur Familie, sondern Unternehmerfamilie ist und „dass es da etwas gibt, was wir über unser privates Familienleben hinaus regeln müssen“. In vielen Gesprächen mit Führungskräften in Familienunternehmen wird mir immer wieder die Außenwirkung einer Familienverfassung verdeutlicht. Auch wenn Führungskräften die Inhalte einer Familienverfassung nur zum Teil kennen, genügt ihnen das Wissen darum, dass die Unternehmerfamilie sich aktiv und professionell mit ihrer Verantwortung „als Unternehmenseigentümer“ auseinandersetzt. Dies gibt ein Gefühl von Beruhigung und Sicherheit.

An dieser Stelle noch ein Zitat eines Familienunternehmers, der kürzlich zu mir sagte  „ … nachdem ich das Unternehmen von meinem Vater übernommen hatte, bin ich eigentlich jeden Tag an dieser Verantwortung gewachsen. Das ist für mich auch das Wichtigste, was ich mir für meine Kinder und Enkelkinder wünsche… dass sie auch die Chance haben, persönlich und als Familie an dieser Verantwortung für das Unternehmen zu wachsen. Dann wird es auch der Firma gut gehen, davon bin ich überzeugt!“.

2017-03-19T22:04:38+00:00

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