Über Geld spricht man!

Das professionelle Sprechen über Geld und Vermögen schafft Sicherheit und Transparenz in Familienunternehmen. Nichts ist schlimmer als Unwissenheit und Halbwahrheiten, welche nur zu Spekulationen und einander abweichenden Erwartungshaltungen führen.

Gemeinsames Vermögen, gemeinsames Verständnis

Bei der Entwicklung einer Familienverfassung mit einer Unternehmerfamilie, kamen wir jüngst zu dem Punkt, Vermögensziele zu definieren. Zunächst sammelten wir verschiedene Vorschläge zu Renditezielen. Danach sprachen wir über die Bewertung von Risiken und es wurden verschiedene Vergleichswerte angeführt. Schnell wurde deutlich, dass die typische Konstellation einer Unternehmerfamilie zum Problem wurde: Unterschiedlichste berufliche Qualifikationen sowie die Tatsache, dass einige Familienmitglieder im Unternehmen arbeiten während andere „weiter vom Unternehmen entfernt“ waren, führten zu teils erheblich abweichenden Einschätzungen.

Die zentralen Fragen lagen auf der Hand:

Welches Vermögen repräsentiert eigentlich unser Unternehmen? Mit welchen Dividenden darf ich rechnen und ist die Verzinsung meines eingesetzten Kapitals angemessen?

Tabudenken durchbrechen!

Doch leider ist allein das Stellen solcher Fragen in vielen Familienunternehmen ein Tabu. Schnell wird unterstellt, dass „man nur am Geld interessiert sei“. Argumente wie „die Verantwortung gegenüber Dritten“, „die Würdigung des Schaffens der Vorfahren“, „die Unmöglichkeit, einen Unternehmenswert zu definieren“ u.a. werden ins Feld geführt. Ein konstruktiver und aufklärender Dialog über Geld und Vermögen wird von vielen Mitgliedern in Unternehmerfamilien vermisst.

Meine Erfahrung und Empfehlung ist, dass bereits mit den jungen und nachfolgenden Gesellschaftern offen und professionell über Geld gesprochen werden sollte. Je qualifizierter sie in Geldthemen sind, desto kompetenter die Entscheidungen.

Erwartungen abgleichen

Es ist wichtig, unterschiedliche Bilder und Erwartungen abzugleichen. Gesellschafter, deren persönliche Einschätzung über das gemeinsame Firmenvermögen stark voneinander abweichen, werden, z.B. bei Investitions-, Finanzierungs- und Dividendenentscheidungen, selten auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen sein. Mehrheitsentscheidungen hinterlassen dann bei dem einen oder anderen Unzufriedenheit, welche einen idealen Nährboden für entstehende Konflikte bildet.

Natürlich wird der tatsächliche Vermögenswert erst im Verkaufsprozess deutlich. Dennoch ist es sehr hilfreich, im Rahmen offener Gespräche und Zahlenspielen, den Mechanismus einer Unternehmenswertermittlung kennen zu lernen. Selbst wenn man sich wegen unterschiedlicher Parameter und Annahmen wohl nie auf einen gemeinsamen Wert einigen wird, werden die unterschiedlichen Bilder deutlich angeglichen.

Vermögen verbindet

Unternehmerische Leidenschaft, Sicherung von Werten, Bewahrung von Traditionen, Verantwortung für Mitarbeiter und Arbeitsplätze, gemeinsame Identität und familiäre Bande sind Bausteine eines guten Zusammenhaltes von Gesellschaftern und einer starken Bindung zum Unternehmen. Diese Bausteine werden in der Praxis sehr unterschiedlich bewertet und entwickeln somit unterschiedliche Bindungskräfte. Das Vermögen zu erhalten und zu vergrößern ist gemeinsames Ziel der Unternehmerfamilie und stärkt den Zusammenhalt meiner Erfahrung nach enorm.

Über Geld sollte man sprechen!

 

Im Rahmen der Erarbeitung einer Familienverfassung spielt das Thema Vermögenssicherung eine zentrale Rolle. Erfahren Sie mehr darüber in unserer nächsten Praxisveranstaltung. Details finden Sie hier

By | 2018-05-08T10:32:03+00:00 Oktober 20th, 2017|Familienverfassung, Vermögen|