Business Governance als Steuerungsinstrument in Familienunternehmen

Viele von Ihnen kennen die Begrifflichkeiten „Corporate Governance“ oder „Business Governance“ – am Mittagstisch wird gerade in den letzten Jahren immer öfter von Compliance und Risikomanagement  gesprochen oder über den neuesten Fraud-Vorfall eines befreundeten Unternehmens diskutiert.  Während viele Unternehmensformen durch das Aktiengesetz und HGB verpflichtet sind, sich diesen Themen intensiv zu stellen,  erkennen immer mehr Familienunternehmen, die nur indirekt von diesen gesetzlichen Vorgaben betroffen sind,  die Vorteile, die die Einführung ausgewählter Business Governance Elemente mit sich bringen. Auch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) und der Deutsche Corporate Governance Kodex, geben hierzu Anlass.

Pflicht oder Chance?

Was aber spricht für die Einführung einiger Elemente der Business Governance, wenn man dazu gar nicht gesetzlich verpflichtet ist?

Entscheidend in Familienunternehmen sind der Erhalt des Vermögens und die langfristige Sicherung des Unternehmens für die nächste Generation oder auch die Professionalisierung der Unternehmensführung. Bei zunehmendem Wachstum, Internationalisierung und damit steigender Komplexität werden oftmals die Prozesse und Strukturen in der Firma intransparent. Dazu kommt eine immer höhere Anzahl von Vorschriften und Verordnungen im Unternehmensumfeld. Ein anderer Grund könnte sein, dass ein Fremdgeschäftsführer eingesetzt wird und die Familiengesellschafter nur noch wenig Einblick in das Geschehen innerhalb der Firma haben.

Mit der Einführung eines Internen Kontrollsystems gelingt es, die notwendige Transparenz und auch die Prozesssicherheit herzustellen, da es Maßnahmen enthält die Kernprozesse des Unternehmens sicher, ordnungsgemäß und effizient zu gestalten. Die Funktionstrennung und das Vier-Augenprinzip werden dabei groß geschrieben und damit auch sehr viele Risiken reduziert.

Ein Compliance Management vermeidet  Verstöße gegen die gesetzlichen Vorschriften, Verordnungen und Richtlinien und garantiert die Einhaltung ethischer Grundsätze sowie von freiwillig eingegangenen Verpflichtungen. Vielmehr entwickelt es jedoch Wertevorstellungen des Unternehmens und setzt diese in allen operativen und auch strategischen Bereichen um.

Mit dem Risikomanagement können Bedrohungsszenarien frühzeitig erkannt werden, da es maximale Transparenz über die bestehende Risikosituation schafft und rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen werden können.

Die interne Revision dient der Beurteilung der internen Kontrollen in den Kernprozessen, beurteilt die Effizienz der Prozesse sowie das Compliance- und Risikomanagement im Unternehmen. Sie dient den Gesellschaftern, dem Aufsichtsrat oder Beirat als Informationsbeschaffer.

Empfehlungen zur erfolgreichen Umsetzung

Trotz zunehmender Bedeutung all dieser Themen, gibt es nach wie vor wenig Information zur konkreten Ausgestaltung in Familienunternehmen. Der viel zitierte Governance Kodex für Familienunternehmen weist beispielsweise auf bestimmte Elemente hin, aber es fehlen praxisorientierte Handlungsempfehlungen.

Um die Bedeutung der Business Governance als Steuerungsinstrument im Unternehmen zu unterstreichen, sollte dies von den Gesellschaftern, den Familiengeschäftsführern und dem Beirat initiiert werden.

Bei der Ausgestaltung hat man sehr viel Freiheit und Handlungsspielraum, denn sie sollte vor allem an der Komplexität und den Bedürfnissen der Unternehmensstruktur ausgerichtet sein sowie an dem individuellen Risikoempfinden der Unternehmerfamilie selbst. Bei der Umsetzung sollte man sich daher auf die wesentlichen Maßnahmen beschränken und keinesfalls mehr aufbauen als notwendig ist.

Auch, oder gerade wenn man als Unternehmerfamilie nicht mehr operativ im Unternehmen tätig ist, sollte man die Informationen einfordern, die man für maximale Transparenz benötigt. Ein weiterer Vorteil ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Risikosteuerung – mit einer Analyse werden die bestehenden Prozesse in der Firma unter einem ganz neuen Blickwinkel betrachtet, somit kritisch hinterfragt und dadurch sehr oft Verbesserungspotentiale erreicht.

Die Akzeptanz der Business Governance hängt maßgeblich von der Unterstützung der Entscheidungsträger im Unternehmen ab. Die Notwendigkeit klarer Regeln und angemessener Kontrollen dienen ausschließlich der Sicherung und dem Erfolg für das Unternehmen. Dabei sollte, gerade in Familienunternehmen, auf jeden Fall die Vertrauenskultur erhalten bleiben.

Fazit

Die Vorteile einer guten Business Governance sprechen dafür, sich auch jenseits gesetzlicher Verpflichtungen mit dem Thema auseinanderzusetzen und bereits bestehende Strukturen regelmäßig zu überprüfen. Die gewonnene Transparenz liefert Orientierung, sichert den Einfluss der Unternehmerfamilie sowie den Erfolg des Unternehmens.

Veranstaltungshinweis:

Im Rahmen der Erarbeitung einer Familienverfassung setzen sich Unternehmerfamilien häufig mit der Frage auseinander „Was bedeutet eine Coporate Governance für uns? Antworten auf diese Frage werden anschließend in der Familienverfassung beispielsweise als Absichtserklärung dokumentiert. Unsere nächste UnternehmerPlan Praxis Veranstaltung „Professionelle Erarbeitung einer Familienverfassung wird dieses Thema aufgreifen. Details finden Sie hier

2018-04-16T11:22:27+00:00